menschen formen

menschen formen

Aufsätze

Herausgegeben von menschen formen

Tectum,  2000, 170 Seiten, broschiert

ISBN 978-3-8288-8200-3

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»Fragen stellen, ohne sie mit den bereitgestellten Antworten zurückzuweisen.« So kann man die Anstrengung umschreiben, welche aufzunehmen ist: angesichts der Antworten, die mit der einen Frage, »Was ist der Mensch?«, bereits vorgegeben sind, angesichts der Grausamkeit und des Leids, die ein sich selbst setzender Mensch mit der Bestimmung, was Nicht-Mensch ist, hervorruft, jedoch auch angesichts der Zumutung, jenseits des genetischen Codes zum Menschen nichts mehr zu sagen zu haben. Versucht wird, sich auf diese Spannung hin zu sensibilisieren, dem statthabenden theoretischen Stillstand zu entgegnen, den »anthropologischen Schlaf« zu überwinden. Versucht wird, sich den Zumutungen sowohl der Frage nach dem Menschen als auch seiner Beschreibung zu widersetzen. Es gibt eine Spinne bei Michaux, die ein Netz webt, dessen Fäden sich nach und nach nicht mehr folgen, sondern falsch laufen. Teile reissen und verhaspeln sich, doch die Spinne hört nicht auf zu weben, bevor das Netz nicht das gewohnte Ausmaß erlangt hat. In ihrem halluzinierenden Zustand jedoch ist sie unfähig geworden, ihren über Jahrhunderte überlieferten Bauplan durchzuführen, ihr unterlaufen Fehler und Verdoppelungen, sie hinterläßt Löcher und schiesst, die sonst so Sorgsame, über das Maß hinaus. Die letzten Fäden, die sie zieht, sind nur ein biosses Gestottere, ein Schwindeln, als wäre sie vollkommen verblendet. Das Werk, eine Ruine, ist gescheitert. Als Betrachter der Ruine bleibt zu fragen: Was sah sie, was sehen wir? Verlautbarungen, nach denen der Mensch zu überwinden sei, oder die ein Verschwinden des Menschen konstatieren, Theoriezuschnitte, die den Menschen in die Systemumwelt stellen, sein Wirken und seine Wirklichkeit der Logik diverser Funktionalitäten überantworten, Abbildungen des Menschen, die sich gegen den Menschen gerichtet haben... - ist man versucht, sich eine Übersicht zu verschaffen, gerät man nahe an eine Aussichtslosigkeit. Es wäre aber ratsam, der paradoxen Aussicht auf Aussichtslosigkeit zu entkommen. Sich in dieser Problemlage zu versuchen, stand am Anfang des Projekts »menschen formen«, das wir, eine Reihe Studierender unterschiedlicher Fachrichtungen, begonnen haben. Seit den im Herbst 1999 stattfindenden Treffen hat sich so ein Forumgebildet, das sich den Konsequenzen des Themas »menschen formen« stellt, d.h. der Annahme, daß das Formen der Menschen begonnen hat, Formen des Menschen zu formen. Aufgrund eines Zustands, in dem das Wissen-vorn-Menschen an ein konkretes Erleben des Menschen, an eine Erfahrbarkeit kaum mehr angeschlossen werden kann, stand von Beginn an auch das Bemühen, den Abstraktionen ein Konkretes gegenüber zu stellen.So wird versucht einen Raum offenzuhalten, in dem Theoriestücke als Ausgangspunkte für eine Arbeit dienen, die ein Einholen von künstlerischen, musischen Lebnissen ermöglicht und so deren Inbeziehungsetzung mit Wissenschaft und Philosophiezulassen kann.

Mit Beiträgen von
Paul Bazunu, Michael Cristensen, Roman Janda, Herbert Neidhöfer, Valerij Savchuk, Bernd Ternes, Hans Peter Weber und Jochen Winterer.

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